Akademie Achtsame Kommunikation
 

Es schreibt Heidi Hinrichsen, staatlich zertifizierte Mediatorin, Trainerin

Zwischen Fesseln und Freiheit

Ein Shibari-Fotoshooting mit philosophischem Tiefgang

* Der Fotograph mag unerkannt bleiben. Martin ist ein Pseudonym
Hinweis: Dieser Artikel und die Bilder von Martin* enthalten keine expliziten erotischen Darstellungen, sondern konzentrieren sich auf die künstlerische, ästhetische und philosophische Dimension des Shibari.

Mit einem meiner Lieblingsfotografen plante ich ein Fotoshooting mit Shibari (auch als Japan-Bondage bekannt) – synonym wird auch der Begriff Kinbaku verwendet.

Es war das 2. Shooting mit Martin*, und ich freute mich sehr darauf, da ich ihn in unserem ersten Shooting als umsichtigen Menschen erlebt hatte – was für mich Achtsamkeit bedeutet.

Wie bei mir vor einem Shooting üblich, tauschte ich mit Martin* Bildideen aus: worauf haben wir Lust, was gefällt uns, was wollen wir umsetzen? Wir haben beide Lust auf künstlerische Bilder, auf Ästhetik.

Subversive Kunst

Martin* schreibt was von „subversiver Kunst“ – yeah, trifft voll meinen Nerv, als er mir mehr dazu schreibt und ich glaube zu verstehen, was er damit meint.
„…Aktfotografie als reine Kunstfotografie, also mit gesellschaftlicher oder philosophischer Aussage. Keine Erotikfotografie…“ – Yesss, mit dem Wort „philosophisch“ traf er meinen Nerv! Ich liebe es, mich mit Fragen zu beschäftigen, die über das Offensichtliche hinausgingen. Martin* und ich teilen diese Neugierde. Wir wollen nicht nur ästhetische Bilder schaffen, sondern auch Geschichten erzählen.

Ich liebe es, mich mit philosophischen Fragen zu beschäftigen, und mit anderen Menschen darüber in den Austausch zu gehen, auch mal gemeinsam zu hinterfragen, wie die Dinge sind, oder auch welche Bedeutung wir ihnen geben. Das bedeutet für mich Tiefe.

Weiter schreibt Martin* mir im Chat: „..Shibari zum Beispiel nicht als Shibari Fotografie, sondern um „Gefesselt sein“ durch gesellschaftliche Zwänge, Beziehung usw. Wir sind doch alle irgendwo in was verstrickt. Sowas in der Art meine ich.“

Sehr cool, denn für mich bedeutet Gefesseltsein: weg von moralischen Vorstellungen – sowas macht man nicht! – hin zu innerer Freiheit.

Beim Shooting tauschen Martin* und ich uns dann darüber aus, ob es wirklich die Fesseln der Gesellschaft sind, die uns Tag für Tag zur Arbeit gehen lassen. Ist es für uns ein „das muss man halt machen, man hat ja Verantwortung für die Familie“ – oder stillt diese Strategie eine Sehnsucht, nach Verantwortung übernehmen, ein Beitrag sein oder Familie?

Meine Kindheit - Erinnerungen werden wach

Da Martin* sich auf das Binden konzentriert, wird es für mich im Nachgang eine Reflektion, was der Hintergrund ist, der mich zu solch einem Shooting bewegt. Und das ist eine Reise in meine Vergangenheit, in meine Kindheit.

Sie war u.a. geprägt von moralischen Vorstellungen, wie die Dinge zu sein haben. Ich hörte Sätze wie: „das macht man nicht“. „Bis dass der Tod euch scheide.“ „das darf man nicht.“ oder: „wenn Du das tust, dann…“ – und ich machte Dinge heimlich – als ein für mich natürlicher Reflex. Ich kaufte mir Süßigkeiten, obwohl ich das verboten bekommen hatte. Manches erzählte ich daheim nicht, in der Hoffnung, dass es nicht auffliegt. Ich traf meinen ersten Freund, obwohl ich das nicht durfte.

Man könnte das als Rebellion sehen - für mich bedeutete das: Autonomie. Und doch fühlte ich mich damals nicht frei – ich schämte mich und fühlte mich gelegentlich auch schuldig.

Auch heute habe ich manchmal diese Stimme im Kopf: „das macht man nicht. Das gehört sich nicht“. Und ich will immer mehr weg von einem (trotzigen): „jetzt erst recht!“ – hin zu der Frage, die mich auf meinem Weg immer wieder beschäftigt: „Was will ICH?“ – und vielleicht auch: „Wer bin ICH?“ – meinen eigenen Weg finden. Dabei will ich keinen meiner inneren Anteile loswerden oder „dagegen“ sein – ich will hin zu innerer Freiheit.

Mich beschäftigt dieses Bedürfnis schon seit Monaten, und bisher habe ich das lediglich in einem kurzen Moment erlebt, in dem es „egal“ war, ob der andere mir das erfüllt, worum ich gerade bitte, obwohl mir das sehr wichtig war (es ging um Vertraulichkeit“, und das Gespräch fand dann ohne die Zusicherung von Vertraulichkeit statt – das war für mich sehr befreiend).

Ich postete das Bild auf Instagram

Was geht bei Dir vor bei so einem Bild?

Ein User schrieb seine Impulse dazu:  „…unbeweglich, starr, Korsett des Lebens, raus aus der Komfortzone, aber nicht rauskommen“

Für mich bedeutet ein Shibari Shooting (und auch der Blick auf die Bilder) in erster Linie Vertrauen. Mich bindet jemand fest, und ich könnte diesen Moment denken: ich bin ausgeliefert. Auf diese Idee komme ich jedoch gar nicht, was ich sehr spannend finde. Ich habe eher den Gedanken: ja meinen Körper, den kann man binden, mit meinem Geist geht das nicht, der bleibt frei. Und ich bin mir ganz sicher, dass meine Grenzen respektiert werden, ich kann mich fallenlassen, und entspannen. Das bedeutet für mich auch Hingabe.

Shibari – ein Tanz zwischen Kunst und Freiheit.

Und es bedeutet für mich immer wieder eine Auseinandersetzung mit dem, was ich gelernt habe, in welchen moralischen Vorstellungen ich aufgewachsen bin, und ist für mich eine Form von Heilung.

Im Zusammenhang mit der gewaltfreien Kommunikation finde ich es sehr spannend, wie eine Strategie unterschiedliche Bedürfnisse erfüllen kann:

  • Fesseln als Symbol für gesellschaftliche Normen bedeuten für manch einen vermutlich Orientierung und Halt, und auch Sicherheit. 
  • Und für jemand anderen bedeuten Fesseln innere Freiheit, Vertrauen und vielleicht auch Sicherheit?
  • ...

Was bedeuten für Dich Fesseln – welche Assoziationen hast Du dabei?


"Ich freue mich über Deine Rückmeldung!"

Heidi@Beziehungsreise-mit-Herz.de

Heute schreibt Dir Heidi, Mama von 5 Kindern, Trainerin für Achtsame Kommunikation und Mediatorin aus Leidenschaft. Sie lebt mit Christian und Ihrem Sohn (2013 geboren) am Bodensee.


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