Welche Rolle spielt die aus dem Buddhismus stammende Achtsamkeit in der Gewaltfreien Kommunikation (GFK)?



Am 22. Januar 2022 ist der buddhistische Mönch und berühmte ZEN-Meister Thich Nhat Hanh mit 95 Jahren in „seinem“ Kloster in Vietnam gestorben. Er war ein bedeutender buddhistischer Lehrer und Autor: er hat über 100 Bücher geschrieben und unzählige Dharmatalks (Lehrgespräche) gehalten und verfilmt und damit Millionen von Menschen auf der ganzen Welt inspiriert. Durch ihn breiteten sich der Buddhismus und das Prinzip der Achtsamkeit in Richtung Westen aus.


Auch in der Gewaltfreien Kommunikation spielt die Achtsamkeit eine große Rolle. M. Rosenberg soll einmal gesagt haben, dass er – neben der Gewaltfreiheit von Gandhi und der klientenzentrierten Gesprächstherapie nach Carl Rogers - sehr viel von Thich Nhat Hanh übernommen hätte.


Nachdem ich mich während der Recherche zu diesem Text auch noch mal eingehender mit M. Rosenberg und Thich Nhat Hanh beschäftigt habe, bin ich auf ein paar Gemeinsamkeiten zwischen den beiden gestoßen:


• Thich Nhat Hanh hat wie auch M. Rosenberg in Krisengebieten vermittelt und war immer davon überzeugt, dass „in einem wahren Dialog beide Seiten bereit sind, sich zu verändern“.

• Beiden lag viel daran, ihre Botschaft einfach und klar zu vermitteln. So wählte Rosenberg eine einfache, an das jeweilige Publikum angepasste Sprache, benutzte viele Beispiele und erfand das Vier-Schritte-Modell, das grundsätzlich sehr einfach zu verstehen ist. Gleichzeitig wissen das alle GFK-Erfahrenen: Das Modell ist einfach zu verstehen, aber ganz und gar nicht leicht in der Umsetzung!

In demselben Geist sagte Thich Nhat Hanh über seine Achtsamkeitspraxis „Practice is simple but not easy” (die Achtsamkeitspraxis ist einfach, aber nicht leicht).

• Beide waren mit einer gehörigen Portion „Schalk im Nacken“ ausgestattet: Thich Nhat Hanh hatte immer ein verschmitztes Lächeln auf den Lippen, während er seine ganz einfache, klare und gleichzeitig tiefgründige Lehre vermittelte. Ein Beispiel findet ihr hier:

https://www.youtube.com/watch?v=eiaxqGsyld8


M. Rosenberg war berühmt für seine Arbeit mit den Giraffen- und Wolfspuppen, um seine Inhalte zu vermitteln. Ein schönes Beispiel findet ihr hier (objektiv beobachten).


https://www.youtube.com/watch?v=1cskKfGxurM


In welcher Beziehung stehen nun der von Thich Nhat Hanh gelehrte Buddhismus und die Gewaltfreie Kommunikation (GFK)?


Mir hat die Erklärung gefallen, dass es sich beim Buddhismus um einen Erfahrungsweg handelt, der praktikable und wirksame Wege aus dem Leid aufzeigt. Dieser Weg wird auch als der Achtfache Pfad beschrieben und ist wie eine Art Therapieplan. Auf diesem Weg geht es darum, Erkenntnisse über sich und das Leben zu gewinnen, eine heilsame Lebensführung im Alltag auszuüben und zu meditieren, alles auf der Basis von Achtsamkeit.

Ein Bestandteil des Achtfachen Pfades ist die „Rechte Rede“. Insofern ist die Gewaltfreie Kommunikation eine Möglichkeit, um zu einer Beendigung des Leids (in mir selbst und in anderen) durch eine mitfühlende und wohlwollende Art der Kommunikation beizutragen.


Wie kann das gelingen? Und inwiefern kann Achtsamkeit den GFK-Prozess unterstützen?

Durch das Praktizieren von Achtsamkeit (vollständige Präsenz im Hier und Jetzt) können wir die Fähigkeit zum Innehalten und Stoppen kultivieren, um überhaupt erst einmal in der Lage zu sein, wahrzunehmen, was gerade in mir und um mich herum geschieht.

1. Selbstklärungsprozess (Selbstempathie):

- Was habe ich gehört oder gesehen? Welche Gedanken tauchen auf? Welche Urteile, Interpretationen oder Vorwürfe melden sich? Wogegen wehre ich mich? Wonach sehne ich mich? Zum Atem zurückkehren. Wahrnehmen, was ist.

- Was spüre ich in meinem Körper? Welche Gefühle machen sich bemerkbar? Was bräuchte ich gerade/welche Bedürfnisse habe ich?

Indem wir mit unseren Bedürfnissen in Kontakt kommen, verändern sich in der Regel auch die Gefühle.

- Liebevolle Selbstannahme. Annehmen, was gerade da ist.

2. Aufrichtigkeit  

Wir teilen dem Gegenüber aufrichtig mit, wie es uns geht. Unser Ziel ist es nicht, den anderen dazu zu bringen, das zu tun, was wir gerne hätten, sondern eine Verbindung herzustellen.

- Auf die eigenen Worte achten

Rosenberg sagt: „Worte können Fenster öffnen oder Mauern errichten“, das bedeutet, sie können Verbindung schaffen oder zur Trennung beitragen.

- Überprüfen, in welcher Haltung ich bin:

denn: Wir kommunizieren nicht nur mit unserer Sprache. Auch unsere Gedanken und körperlichen Aktionen senden deutliche Signale an unser Gegenüber.

Wenn wir zwar GFK sprechen, aber nicht in dieser Haltung sind, wird das als inkongruent wahrgenommen. Es wird unwahrscheinlicher, dass wir wirklich in die Verbindung kommen.

- liebevolles Sprechen (von Herz zu Herz)

3. Empathie für mein Gegenüber  

- Überprüfen, in welcher Haltung ich bin:

Sehe ich den Menschen hinter dem Verhalten?

Bin ich bereit, wirklich verstehen zu wollen?

- Was fühlt der andere? Was braucht er gerade? Worum geht es ihm?

- Bin ich neugierig und offen, die Welt mit seinen Augen zu sehen?

- Einfühlsames Zuhören

- 100%ige Präsenz im Hier und Jetzt


Je mehr es uns gelingt, aus unserem eigenen Gedankenkarussell auszusteigen und uns im Hier und Jetzt zu verankern, umso gelassener werden wir. Es wird uns dann immer leichter fallen, uns mit unseren eigenen Gefühlen und Bedürfnissen zu verbinden und in wohlwollender Weise in Kontakt mit unseren Mitmenschen zu treten. Dann kann echte Verbindung entstehen.


Thich Nhat Hanh hat es so beschrieben:

„Die Fähigkeit im Frieden mit anderen Menschen und mit der Welt zu leben, hängt sehr weitgehend von der Fähigkeit ab, im Frieden mit sich selbst zu leben.“



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