Tieftauchen lohnt sich! Oder: Wie ein Glaubenssatz zu einem unerwarteten Geschenk werden kann


Eine Klientin, die sich schon lange mit GFK beschäftigt, nennen wir sie Yasmin, wollte an einem 3-tägigen-Arbeitsgruppen-Treffen teilnehmen, das schon seit langem geplant war und auf das sie sich schon sehr gefreut hatte. Am Tag vor dem Treffen wurde ihr Sohn positiv auf Corona getestet. Sie informierte daraufhin alle Arbeitsgruppen-Teilnehmer und den Organisator und wollte wissen, ob es ok wäre, wenn sie am nächsten Tag - unter Einhaltung der Schutzmaßnahmen - zum Treffen erscheinen würde. Insgeheim hatte sie erwartet, dass es für alle ok wäre und nicht wirklich mit einem größeren Widerstand gerechnet. 


Doch dann kam die Antwort des Organisators: „Ja, da ist ein deutlicher Widerstand und ich möchte dieses Risiko nicht eingehen, weil ich gerade letzte Woche erst eine sehr schlechte Erfahrung gemacht habe, als sich auf einem mehrtägigen Seminar mehrere Menschen infiziert haben, weil es nie gelingt, über längere Zeit wirklich alle Schutzmaßnahmen einzuhalten. Außerdem stehen in den nächsten Tagen ein wichtiger Vortrag und privat ein größeres Fest an. Das alles möchte ich nicht gefährden“.


Die Bedürfnisse nach Sicherheit und Gesundheit ihres Kollegen konnte Yasmin völlig nachvollziehen und gleichzeitig war sie total frustriert und enttäuscht, weil sie sich von dem Arbeitsgruppen-Treffen Lernen, Wachstum, Gemeinschaft und Verbindung erhofft hatte. Außerdem ging es ihr auch darum, zu der sich gerade erst neu gebildeten Gruppe dazugehören zu wollen.


Weil ihr all das so wichtig war, hakte sie noch einmal bei dem Organisator nach, um herauszufinden, unter welchen Voraussetzungen aus dem „NEIN“ eventuell ein „JA“ werden könnte.

Allerdings war der Organisator hier nicht gesprächsbereit und wollte sich auf keine Diskussionen einlassen. Seine Sicherheit hatte für ihn oberste Priorität, auch wenn er Verständnis für die Frustration von Yasmin äußerte.


Erst jetzt kamen bei Yasmin Urteile über ihren Kollegen an die Oberfläche:


„Ich verstehe das nicht: Nach der Logik der GFK sind doch alle Bedürfnisse gleich wichtig. Und wenn sich zwei Bedürfnisse scheinbar diametral gegenüberstehen, dann ist es doch wichtig, dass sich alle Beteiligten darum bemühen, eine Lösung zu finden, die für beide Seiten passt. Diese Suche hat mir in diesem Fall gefehlt. Bei mir kam es so an, als ob mein Kollege sein eigenes, persönliches Bedürfnis nach Sicherheit und Gesundheit an oberste Stelle gestellt hat und es eben in Kauf genommen hat, dass sich bei mir Frustration und Enttäuschung breit gemacht haben. Und zu keinem Zeitpunkt hatte ich den Eindruck, dass er auch nur ansatzweise dazu bereit gewesen wäre, mich bei der Erfüllung meiner Bedürfnisse zu unterstützen. Ich finde das voll egoistisch!

Gleichzeitig kann ich wirklich guten Gewissens sagen, dass es keinen Moment gegeben hat, in dem ich auf ihn sauer war. Ich konnte sehr wohl sehen, dass seine Entscheidung keine Entscheidung gegen mich, sondern ein Eintreten für ihn selbst war. Und gleichzeitig hat mir doch die Suche nach Lösungen gefehlt.“


In Yasmins Wertesystem hatte sich der - ebenfalls in GFK geschulte - Kollege falsch verhalten: er hätte doch mit ihr zusammen nach einer Lösung suchen sollen!


Als sie sich erlaubte hinzuspüren, worum es ihr an dieser Stelle ging, kam ein großer Schmerz zum Vorschein, weil ihr klar wurde, was ihr fehlte und wonach sie sich so sehr sehnte: nach Kooperation, Gemeinschaft, gemeinsam an einem Strang ziehen und – auf einer noch tieferen Ebene – gesehen und gehört zu werden, sich auf Augenhöhe zu begegnen und gleichwürdig zu sein. Als sie in Kontakt mit der Trauer kam, weil sie sich gerade als nicht gleichwürdig empfand, tauchte plötzlich ein sehr tief sitzender Glaubenssatz auf, der sie schon seit ihrer Kindheit begleitete: Ich bin nicht wichtig! Und dieser Glaubenssatz führte dazu, dass sie sich im Kontakt mit anderen Personen selbst klein machte.


Jetzt hatten wir einen Ansatzpunkt, um in weiteren Coaching-Sitzungen an der Bearbeitung dieses Glaubenssatzes zu arbeiten.


Wenn du Fragen hast oder deine Gedanken und Impulse zu dem Text teilen möchtest, schreibe mir gerne eine Mail oder rufe mich an.


Mit herzlichem Gruß,
Simone
0151/44 34 91 59

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